Mittlerweile stellt das umfangreiche Immobilienvermögen bei Unternehmen nicht mehr ausschließlich eine inaktive Position in der Bilanz dar, sondern einen integralen Teil der Unternehmensstrategie. Für Immobiliensachverständige rückt die Bewertung solcher Immobilien entsprechend immer mehr in den Mittelpunkt. Das Interesse am Wert der Unternehmensimmobilien bei Anteilseigner und Geschäftsführungen steigt stetig. Bei Geschäftsimmobilien ist der Stellenwert der Immobilienbewertung für den Immobiliengutachter entsprechend hoch zu bewerten.

Bei der täglichen Arbeit im Sachverständigenbüro für Immobilienbewertung sind Bewertungen von Gewerbeimmobilien an der Tagesordnung. Das Fachwissen des Immobiliensachverständigen ist insbesondere bei der Veräußerung von Unternehmensteilen oder des gesamten Unternehmens gefragt. Um den geeigneten Verkaufspreis zu ermitteln, muss in solchen Fällen der aktuelle Verkehrswert als Grundlage ermittelt werden.

Wenn einzelne Liegenschaften veräußert werden, ist eine exakte Wertfestlegung durch den Immobiliengutachter wünschenswert. Ein Sachverständigenbüro für Immobilien wird daher insbesondere bei „Sale and Lease-Back-Transaktionen“ eingeschaltet. Bei Werthaltigkeitsprüfungen wie die Ermittlung des Abwertungsbedarfs und stillen Reserven, bei unternehmensinternen Umstrukturierungen, bei der Integration der Immobilie in die wertorientierte Unternehmenssteuerung innerhalb des Immobilienvermögens und zur Vermeidung von Steuerrisiken ist die Meinung des Immobiliengutachters ebenfalls gefragt.

Der Immobiliensachverständige muss bei allen Bewertungsgründen allerdings im Auge behalten, dass jeweils ein anderer Zweck verfolgt wird. Sowohl die Auswahl des Bewertungsverfahrens als auch die Herangehensweise an die Bewertung der Immobilie richten sich nach dem jeweiligen Bewertungszweck. Je nach Zweck der Bewertung kann vom Immobiliengutachter die Ermittlung eines subjektiven oder objektiven Wertes für die Immobilie erwartet werden.

Möglichst objektive Wertem muss der Immobiliensachverständige ermitteln, wenn es um Auseinandersetzungen, handelsrechtliche Bewertungen oder steuerlich motivierte Bewertungsgutachten geht. Der Immobiliengutachter wird in der objektiven Bewertung, selbstverständlich keine persönliche Meinung zulassen, sondern den Objektwert ermitteln, den ein rational denkender Investor für das Bewertungsobjekt bereit wäre zu zahlen.

Hingegen erlaubt eine subjektive Bewertung der Immobilie die explizite Einbeziehung personenspezifischer Besonderheiten. Bei der Ermittlung einer Obergrenze für den Kaufwert können beispielsweise für den Immobilienerwerb Vorteilshaftigkeitsberechnung unterschiedlicher Investmentmöglichkeiten oder individuelle Refinanzierungskosten vom Immobiliengutachter berücksichtigt werden.

Der Immobiliensachverständige wird für die eigentliche Immobilienbewertung praxisnahe Verfahren anwenden. Die Auswahl des entsprechenden Bewertungsverfahrens richtet sich für den Immobiliengutachter immer nach der Datenlage, der Ausgangsituation, der zeitlichen Restriktion und dem Bewertungszweck. Meist wählen Immobiliensachverständige in der Praxis das Vergleichswertverfahren, das DCF-Verfahren (Discounted Cash Flow) oder das Ertragswertverfahren entsprechend der WertV, wenn es um Gewerbeimmobilien geht. Für eine korrekte Gewerbeimmobilienbewertung können alle gängigen Bewertungsverfahren von den Mitarbeitern im Sachverständigenbüro für Immobilienbewertung herangezogen und auch kombiniert werden.